Durch den Beitrag Something big is happening von Matt Shumer habe ich vor einigen Wochen den Impuls bekommen, mich intensiver mit den neuesten KI-Modellen der großen Anbieter auseinander zusetzen. Shumer argumentiert, dass die neuesten Modelle so einen großen Qualitätssprung darstellen, dass man sie kennen muss, um zu verstehen, wozu KI inzwischen fähig ist. Nach intensivem Testen sehe ich das genauso.
Shumers Argumentation kann man in seinem Beitrag nachlesen. Ich kann nicht bei allen Rückschlüssen mitgehen und Manches kann ich auch gar nicht beurteilen.
Hier soll es darum gehen, welche Erfahrungen ich in den letzten Wochen gemacht und welche KI-Anwendungen ich in meinem Arbeitsalltag gefunden habe.
Mein Setup
Nach kurzem Testen habe ich mich entschieden, den Pro-Tarif von Claude zu kaufen und verwende seither Claude hauptsächlich als Desktop-Programm auf meinem Mac. Diese Anwendung hat die Besonderheit, dass sie drei Modi hat:
- Chat: „normaler“ KI-Chat, wie man ihn kennt.
- Cowork: das Programm erhält Zugriff auf einen Ordner und kann dann mit den Dateien darin interagieren
- Code: das Programm ist auf das Programmieren spezialisiert
Außerdem kann Claude Desktop mit „Konnektoren“ erweitert werden, so dass das Programm z.B. Word-Dateien und Powerpoint-Dateien erzeugen kann.
Beispielanwendungen
Hier einige Beispiele, wozu ich Claude in den letzten Wochen benutzt habe.
Erstellung eines Kompetenzrasters für Englisch Unterstufe
Ich hatte zwei verschiedene Kompetenzraster zur Bewertung von Unterrichtsleistungen im Englisch-Unterricht der Unterstufe. Eines habe ich von extern erhalten, das andere vor einiger Zeit selbst entwickelt. Mit beiden war ich nicht ganz zufrieden.
Außerdem hatte ich bisher in meinem Englischunterricht die Situation geschaffen, dass die Kinder sich ohne Angst vor schlechten Noten auf Englisch äußern – einfach deswegen, weil ich bisher praktisch gar nicht bewertet habe. Nun muss ich aber leider demnächst mal Unterrichtsnoten machen und brauchte etwas, das (a) die konstruktive Fehlerkultur möglichst wenig stört und (b) gleichzeitig Kriterien formuliert, mit denen ich sinnvoll und für die Kinder verständlich bewerten kann.
Eine Lösung habe ich im „Zwiegespräch“ mit Claude entwickelt indem ich „ihm“ dieses Ziel formuliert habe. Danach haben wir im Chat Ideen entwickelt, ich habe welche für die konkrete Ausgestaltung ausgesucht, „er“ hat ein Raster entworfen und als Word-Datei erzeugt. Ich habe wieder Rückmeldungen gegeben, „er“ hat sie eingebaut etc.
Nun habe ich ein Raster, mit dem ich zufrieden bin und das meine Zielsetzung erfüllt. Außerdem habe ich eine eine für mich neue Idee von Claude erhalten, wie ich die Bewertung umsetzen kann, ohne die konstruktive Fehlerkultur zu stören.
Erzeugen von Grammatik-Infoseiten zu einzelnen Grammatik-Themen
Gerade in der Unterstufe brauche ich öfter Grammatik-Inputs für Kinder, die ein bestimmtes Thema nicht mehr oder noch nicht gut beherrschen. Solange die Kinder noch das Schulbuch haben, kann man darauf verweisen, aber die Grammatik-Seiten sind nicht immer hilfreich. Wenn das Thema aber z.b. aus dem Buch des Vorjahrs stammt, ist das schon nicht mehr zugänglich.
Bisher habe ich dann immer im Netz nach passenden Seiten gesucht. Diese sind aber oft voller Werbung oder nicht auf dem passenden Lernniveau.
Mit Claude habe ich nun einen Skill gebaut, der mit in wenigen Sekunden eine Grammatik-Seite baut, die ich direkt per Copy/Paste in mein DokuWiki einfügen kann und die genau meinen Vorstellungen und Vorgaben entspricht. Somit kann ich nun für jedes Kind ohne nennenswerten Aufwand passende Lernmaterialien erstellen (lassen).
Hier sind einige Beispiele:
Erzeugen von interaktiven Grammatik-Übungen
Ebenso habe ich schon mehrere interaktive HTML-Seiten erstellt, die ein bestimmtes Grammatik-Thema üben. Ich habe Claude mitgeteilt, dass ich Webspace zur Verfügung habe, auf dem ich HTML-Seiten öffentlich anbieten kann, habe Vorgaben gemacht (z.B. wie die Seiten gestaltet und strukturiert sein sollen) und dann dauert das Erstellen so einer Seite ca. 5 Minuten, in denen ich im Chat den Auftrag gebe, das Ergebnis begutachte, ggf. noch mal nachschärfe und dann die Datei erhalten.
Beispiele:
Musterlösungen zu komplexen Fragestellungen erstellen
In Geographie Stufe 11 habe ich mit den Schüler:innen die Situation in der Straße von Hormuz analysiert und außerdem verschiedene aktuelle Artikel bearbeitet, die sich mit globalem Handel und den globalen Engstellen in den Schifffahrtsrouten beschäftigen. Ich habe selbst Aufgaben formuliert, mit denen die Schüler:innen gearbeitet haben.
Claude habe ich die Aufgaben und die Quellen gegeben und gebeten, dazu Musterlösungen im DokuWiki-Format zu formulieren, so dass ich sie in unser im Unterricht genutztes Wiki kopieren kann. Die Lösungen sind differenziert und korrekt. Aufwand: 2 min. Ohne Claude hätte ich keine Musterlösungen erstellen können, weil alleine das Zusammentragen, Formatieren und ausformulieren viel zu lange gedauert hätte.
Erstellen einer Präsentation zum Thema Internetsicherheit
Für den Medienunterricht brauchte ich eine Präsentation für eine Doppelstunde zum Thema Sicherheit im Internet. Ich habe verschiedene Materialien als PDFs hochgeladen und klare Anforderungen formuliert, was ich brauche und wer die Zielgruppe ist. Die erzeugte Präsentation konnte ich zu ca. 70 – 80 % verwenden, die Aufgaben und Schaubilder waren meist sinnvoll, ich konnte sie entweder übernehmen oder leicht anpassen und dann nutzen. Der Zeitaufwand hat sich durch Claude für mich um ca. 80 % verringert.
Das sind nur wenige der Beispiele, bei denen mir Claude geholfen hat, eine Menge Zeit zu sparen oder Dinge zu erledigen, die ohne die KI gar nicht möglich gewesen wären.
Erfahrungen
Meine Erfahrungen bestätigen die von Matt Shumer. Claude – in diesem Fall mit dem Modell Opus 4.6. (Stand 29.03.2026) – ist viel, viel besser und fähiger als ich mir das bis vor Kurzem hätte träumen lassen. Ich nutze die KI ständig, um Aufgaben zu erledigen, Recherchen durchzuführen, Materialien zu erstellen, mit mir zusammen Gedanken zu entwickeln, Lösungen zu suchen etc.
In vielen Fällen fühlt sich Claude wie ein Assistent an, der mit Dinge abnimmt und gleichzeitig „mitdenkt“ indem er tatsächlich regelmäßig auch sinnvolle Rückfragen stellt, ohne dass ich ihm das explizit sage.
Ich bin mir bewusst, dass meine Schilderungen hier sehr enthusiastisch und übermäßig positiv klingen. Und natürlich bin ich mir der Grenzen der Technologie bewusst: ich weiß, dass die KI nicht denken kann etc.
Dennoch muss ich einfach klar sagen, dass mir Claude in den letzten Wochen den Arbeitsalltag enorm erleichtert und dass es mir hilft zu wissen, dass ich auf diesen Assistenten zugreifen kann. Schon mehrfach konnte ich in schulischen Gremien Aufgaben übernehmen, weil ich wusste, dass ich sie mit Claude in vertretbarer Zeit erledigen können würde wohingegen ich das noch vor einigen Wochen hätte ablehnen müssen, weil es zu aufwändig gewesen wäre.
Und ihr so?
Wie sind Eure Erfahrungen? Ich bin sehr gespannt, welche anderen Perspektiven es hier gibt.

Hallo.
Sehr schön. Danke.
Was hast du gelesen/geschaut, um das auf die Beine zu stellen. Ich weiß nicht so recht, wo ich da anfangen soll.
Hast du deine skills.md-Dateien irgendwo zum nachschauen?
Ich unterrichte Mathematik. Mein Problem ist immer noch, dass ich die Formeln/Gleichungen nicht gut aus Markdown in Textverarbeitung/Web bekomme. Da brauche ich noch eine passable Lösung.
Ivo