Wenn eine ehemalige Schülerin die eigenen Ideen konsequenter umsetzt als man selbst …

Manchmal braucht man eine andere Person, die die eigenen Ideen konsequenter umsetzt als man selbst.

Ich bin schon seit vielen Jahren begeistert davon, wie das Internet dazu beitragen kann, dass Menschen zusammen kommen, Ideen und Material austauschen, sich gegenseitig besser kennen lernen und dabei Projekte auf den Weg bringen, die ohne diese Technologie nicht möglich wären. Dieser Blog existiert zum Beispiel, weil ich am Ende meines Studiums Teil einer aufkommenden Community sein und meinen Teil zu ihr beitragen wollte.

Inzwischen hat sich dieser Eindruck bei mir etwas abgekühlt, weil das Internet 2026 sich stark von dem Internet 2004 unterscheidet. Aber: das Potential besteht immer noch, wenn man es sucht und aktiv verfolgt – und hier brauchte es jemand Jüngeres, der mir das vor Augen führte und mich in ein Projekt mitnahm, das den Geist der kollaborativen Weltverbesserung wieder aufscheinen lässt.

Nachdem ich vor einiger Zeit John Steppers Buch „Working out loud“ gelesen hatte, erkannte ich viele Parallelen zu meinen eigenen Ansätzen und Prinzipien. Die fünf Elemente von WOL spielen an vielen Stellen meines Lebens eine Rolle, ohne dass ich wusste, dass sie auch Teil seines WOL-Konzepts sind:

  1. Purposeful Discovery: Sich gezielt auf die Suche nach Themen, Menschen und Möglichkeiten machen, die zum eigenen Ziel passen – statt passiv darauf zu warten, dass sich etwas ergibt.
  2. Relationships: Echte Beziehungen aufbauen, nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Grundlage für gegenseitiges Lernen und Unterstützung.
  3. Generosity: Anderen etwas anbieten – Wissen, Aufmerksamkeit, Hilfe –, ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten.
  4. Visible Work: Die eigene Arbeit sichtbar machen, auch und gerade im unfertigen Zustand, damit andere davon lernen oder darauf aufbauen können.
  5. Growth Mindset: Die Überzeugung, dass Fähigkeiten durch Anstrengung und Feedback wachsen – und die Bereitschaft, sich öffentlich als Lernende:r zu zeigen.

Dass ich das Buch Working out loud überhaupt gelesen habe, nachdem ich es schon viele, viele Jahre auf dem E-Reader hatte, brauchte nun aber den Impuls von außen: Meine ehemalige Schülerin Elena Buchdunger ist inzwischen meine Kollegin und war ebenfalls auf John Steppers Ideen aufmerksam geworden. Sie hatte aber direkt weiter gedacht: Wir könnten WOL auch bei uns an der Schule als Projekt der Persönlichkeitsentwicklung für unsere Schüler:innen etablieren. Und: Warum dann nicht John Stepper direkt kontaktieren und mit ins Boot holen – ganz im Sinne von Purposeful Discovery und Relationships.

Elena hat das direkt umgesetzt und John hat direkt zugesagt, so dass die beiden nun schon seit einigen Monaten an einem WOL-Programm für Schüler:innen arbeiten. Und so kam es nun auch, dass ich vor einigen Tagen mit dazu kam und wir nun zu dritt daran arbeiten, dass aus der Idee ein Konzept für Schüler:innen werden kann, mit dem sie hoffentlich auch erkennen können, dass die Prinzipien von Working Out Loud einen positiven Einfluss auf ihr Leben haben können.

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