Zoom Videokonferenzen für Schulen – Anleitung und erste Erfahrungen

Wir führen schulweit aufgrund der Corona-bedingten Schulschließung seit einigen Tagen tägliche Videokonferenzen mit Zoom.us durch. In diesem Beitrag berichte ich von ersten Erfahrungen und zeige, wie man einen kostenlosen Zoom-Account für ein ganzes Kollegium einrichten kann.

Erste Eindrücke nach ca. 10 Videokonferenzen im Kollegium und mit Klassen

Als am 13.03.2020 klar war, dass die Schulen für die nächsten Wochen schließen müssen, war eine unserer Überlegungen an meiner Schule (Kreisgymnasium Neuenburg), dass wir die Schüler/innen möglichst nicht nur mit Aufgaben versorgen möchten, sondern dass wir versuchen möchten, die Schul- und Klassengemeinschaft soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Schüler/innen sollten sich möglichst weiterhin im sozialen Gefüge ihrer Mitschüler/innen regelmäßig sehen und auch die Möglichkeit haben, mit ihren Lehrer/innen zu sprechen anstatt nur zu schreiben. Außerdem wollten wir ihnen die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen zu Aufgaben oder auch zu den Ereignissen, die um sie herum passieren. Somit kamen wir zu einem Konzept, bei dem wir unter anderem einen neuen reduzierten Stundenplan erstellten, in dem jede Lerngruppe täglich zu zwei festen Zeiten eine ca. 30-minütige Videokonferenz mit ihren Lehrer/innen hat.

Nun haben wir schon mehrere Lehrer-Konferenzen mit bis zu vierzig Kolleg/innen mit Zoom durchgeführt und ich habe schon einige Sessions mit meinen Klassen gehabt. Die Erfahrungen damit sind erstaunlich positiv.

Technisch liefen die Konferenzen mit dem Kollegium sehr strukturiert ab. Zoom bietet die Möglichkeit, elektronisch die Hand zu heben oder mit Ja und Nein zu stimmen. Außerdem kann der Moderator („Host“) alle zentral stumm schalten, so dass auch bei Hintergrundgeräuschen alles gut verständlich ist. Die Übertragung von Bild und Ton von vierzig Leuten gleichzeitig war für das System kein Problem, die App reguliert je nach Gerät, auf dem es läuft, wie viele Videobilder gleichzeitig zu sehen sein können, um die Rechenkapazitäten nicht zu überfordern.

Kommunikativ ist es natürlich ein völlig anderes Erlebnis, wenn alle vor ihren Geräten sitzen anstatt zusammen in einem Raum. Andererseits gibt es aktuell natürlich auch ein willkommenes Gemeinschaftsgefühl im Gegensatz zur rein schriftlichen Kommunikation. Die Stimmung ist informeller, weil ja alle in häuslicher Umgebung sind und teilweise auch Kinder betreuen müssen, die hin und wieder mal ins Bild kommen etc. In unserem Kollegium ist das menschliche Miteinander so, dass das kein Problem darstellt und im Gegenteil eher eine schöne Entwicklung ist (wobei das natürlich mein subjektiver Eindruck ist, es mag auch andere Meinungen geben).

Auch die Videokonferenz mit den Klassen habe ich als schöne Zusammenkünfte in dieser ungewöhnlichen Corona-Situation erlebt. Ich hatte den Eindruck, dass viele Schüler/innen sich freuen, ihre Mitschüler/innen auf diesem Wege zu treffen, auch wenn einige klar zum Ausdruck brachten, dass es sich schon sehr ungewohnt anfühlt und sie sich mit der Corona-Krisensituation ingesamt unwohl fühlen.

Zu Beginn jeder Sitzung habe ich abgefragt, wie sich die Schüler/innen fühlen, und wir haben evtl. Sorgen und Probleme (technische und menschliche) besprochen. Danach konnten wir in unterschiedlichem Umfang inhaltlich arbeiten: Mit den Abiturienten haben wir intensiv an den Sachthemen gearbeitet, Schüler/innen haben ihre in den letzten Stunden erarbeiteten Ergebnisse per Bildschirmfreigabe präsentiert, in der Gruppe haben wir sie diskutiert. Die Beschränkung auf vierzig Minuten in unserem kostenlosen Plan war hier tatsächlich ärgerlich, weil die Schüler/innen auf jeden Fall weitermachen wollten. Wir haben die am Minutenlimit abgebrochene Sitzung dann einfach nach einer Minute wieder aufgenommen und noch einmal vierzig Minuten gearbeitet.

Mit den Fünftklässlern haben wir zunächst die Benutzung von Zoom noch einmal geübt (die Klassenlehrer/innen hatten das am „Videokonferenz-Testtag“ schon einmal gemacht). Auch bei den „Kleinen“ gab es nur wenige technische Probleme. Falls doch, haben wir eine zentrale Support-Mailadresse eingerichtet, unter der sieben Kolleg/innen mit Erfahrungen auf unterschiedlichen Geräten (Windows, Mac, Android, iOS) reagieren und ggf. zu Hause anrufen, um zu helfen. So hatten wir am zweiten Tage der Videokonferenzen von ca. 450 Schüler/innen maximal 5 – 10, bei denen es technisch noch nicht verlässlich funktioniert.

Auch bei den jüngeren Schülern war die Stimmung freudig und schon bald erstaunlich „normal“. Sie haben elektronisch die Hand gehoben, diszipliniert zugehört während jemand sprach und insgesamt gut mitgemacht. Natürlich kommt es vor, dass bei jemandem der Ton für einige Sekunden schlecht übertragen wird oder mal jemand versehentlich spricht, ohne sein Mikro zu aktivieren. Und natürlich machen manche Quatsch. Auch kommt bei einer Videokonferenz natürlich bei Weitem nicht so viel Zwischenmenschliches rüber wie in einem Klassenzimmer. Man kommt sicher nicht auf die Idee, das künftig immer so zu machen. Aber wie gesagt: Wenn die Alternative ist, dass man sich gar nicht sieht und den Schüler/innen überhaupt nicht helfen kann, dann sind die Videokonferenzen ein großer Zugewinn.

Sollte die soziale Isolation in den kommenden Wochen noch stärker werden oder länger andauern, könnten diese Zusammenkünfte sogar noch an Bedeutung gewinnen. Schon jetzt gibt es kreative Ideen aus der Schulgemeinschaft wie z.B. eine morgendliche Videokonferenz-Yoga-Session, an der Schüler/innen und Lehrer/innen teilnehmen oder – aus der SMV vorgeschlagen – ein von älteren Schüler/innen beaufsichtigter „Videokonferenz-Pausenraum“, wo die Schüler/innen sich zwischen den Unterrichtsblöcken zwanglos treffen und austauschen können.

Technische Umsetzung: Einrichtung von Zoom-Videokonferenzen für die ganze Schule

Um Zoom-Videokonferenzen mit der ganzen Schule zu nutzen braucht man:

  • Accounts für alle Kolleg/innen
  • keine Accounts für Schüler/innen
  • die Angabe einer Zahlungsmöglichkeit, aber keinen Bezahltarif. Im kostenlosen Tarif gibt es offiziell eine Beschränkung auf 100 Teilnehmer/innen und vierzig Minuten pro Meeting. Letzteres kann man seit einigen Tagen als Schule per Antrag aufheben lassen, was bei uns aber noch nicht durch ist.
    [Update 27.03.2020]: Inzwischen habe ich herausgefunden, dass die Domain der Mail-Adresse, mit der man sich als Admin registriert, identisch sein sollte mit der Domain der Schulwebsite. Also z.B.
    E-Mail-Adresse: lehrer.laempel@schule-abc.de
    Website: https://www.schule-abc.de
  1. Man legt einen normalen, kostenlosen Zoom-Account an.
  2. Unter dem Menüeintrag „Admin“ wählt man „Benutzer“. Nun wird man zunächst aufgefordert, eine Zahlmöglichkeit zu hinterlegen (Kreditkarte oder PayPal). Man muss hier nur eine Zahlungsmöglichkeit angeben, aber noch nichts bezahlen.
  3. Anschließend kann man Benutzer z.B. durch den Import einer CSV-Datei oder durch Einfügen einer kopierten Liste zu einem Zoom-Account einladen. Wir haben die Kolleg/innen durch Import der Dienstmailadressen importiert, dann erhält jede Person eine Einladung und schließt mit ein paar Klicks das Erstellen des Accounts ab.
  4. Der Tarif kann weiter kostenlos bleiben und trotzdem die Benutzer der ganzen Schule verwalten.

Anschließend hat man als Admin eine Liste aller Kolleg/innen einschließlich der URLs zu deren persönlichen Meeting-Räumen. Diese nutzen wir als Klassenzimmer, die Schüler/innen sehen in der Unterrichtsplattform eine Liste aller Lehrer-Räume und begeben sich vor Beginn einer „Stunde“ in diesen Raum.

Diese persönlichen Meeting-Räume der Kolleg/innen bestehen lediglich aus einer URL, die man findet indem man jeweils auf das Profil eines Nutzers klickt. In der Benutzerliste (1) den Benutzernamen klicken, dann ist man im Profil (2). Dort findet man die „Persönliche Meeting ID“ und die passende URL dazu (3). Außerdem sollte man als Admin zentral für alle einstellen, dass diese ID beim Starten eines spontanen Meetings (mit dem orangenen „Meeting starten“ Button) verwendet wird (4). So finden diese Meetings immer in diesem persönlichen Raum statt (siehe Screenshot unten).

Die zentrale Verwaltung hat den Vorteil, dass man als Admin ein Einstellungen für alle Accounts zentral vornehmen kann. So haben wir z.B. die Räume der Kolleg/innen so eingestellt, dass Schüler/innen (die ja keine Accounts haben und damit Gäste sind) sie nur betreten können, wenn der „Host“ (so nennt Zoom Inhaber eines Raums) anwesend ist. Viele andere nützliche Einstellungen lassen sich so zentral für alle vorgeben.

Geräte für Schüler/innen

Wenn Schüler/innen zu Hause keine Geräte haben, die sie für Videokonferenz nutzen können, können sie für die Zeit der Schulschließung bei uns Schullaptops ausleihen. Das haben ca. fünfzehn Familien genutzt.

Datenschutz

Natürlich muss man sich fragen, ob ein Tool wie Zoom bezüglich des Datenschutzes vertretbar ist. Zoom ist eine US-Firma, die allerdings die Möglichkeit bietet, einen Auftragsverarbeitungsvertrag abzuschließen (Wie geht das?) und die Privacy-Shield zertifiziert ist. Ich lese u.a. regelmäßig den Newsletter des Datenschutz-Anwalts Stephan Hansen-Oest, der selbst für seine Schulungen Zoom einsetzt und der in der Ausgabe des Newsletters vom 19.03.2020 die Auffassung vertritt, dass man Zoom datenschutzkonform einsetzen kann (wobei er nicht explizit auf die Situation in Schulen eingeht). [Update 25.03.2020]: Inzwischen hat RA Hansen-Oest einen eigenen Beitrag zum Thema Videokonferenzen mit Zoom verfasst: Hilfe…ist „zoom“ etwa eine Datenschleuder?

In unserer Situation haben wir das Für und Wider abgewogen und sind zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen der Videokonferenzen und der menschliche Zusammenhalt, der damit erhalten werden kann, die Nutzung wert sind.

Technischer Support und Anleitungen

Für Kolleg/innen und Schüler/innen haben wir Anleitungen zur Benutzung erstellt, die ich allerdings hier nicht teilen kann, weil sie auf die konkrete technische Situation unserer Schule zugeschnitten sind und außerdem tw. persönliche Daten enthalten.

Andere Kolleg/innen haben aber schon Anleitungen erstellt und online geteilt:

Einrichten des Videokonferenzprogramms ZOOM (PDF) von S. Schaacke, veröffentlicht bei Nina Toller.

Und hier eine Videoanleitung vom Kanal iPad in der Schule.

Fazit

Ich habe den Eindruck, dass sich die Videokonferenzen für meine Schule schon nach wenigen Tagen als sehr gewinnbringend und förderlich für die schulische Gemeinschaft in der Corona-Isolation auswirken.

Vielleicht hilft meine Darstellung ja anderen Schulen bei der Entscheidungsfindung, ob sie das auch einsetzen möchten.

22 thoughts on “Zoom Videokonferenzen für Schulen – Anleitung und erste Erfahrungen”

  1. Lieber Herr Kalt,

    in den Zoom Nutzungsbedingungen sind Minderjährige von der nutzung ausgeschlossen. Gibt es hier eine Sonderregelung für Ihre Schule?

    MfG, F. Neudecker

    1. Nein, es gibt aber die Aussage meiner Kultusministerin (die ich gerade nicht online finde), dass aktuell verschiedene Dienste genutzt werden können, die normalerweise nicht als datenschutzkonform angesehen werden (sie nennt u.a. Office 365).

      Datenschutz ist immer eine Abwägung von Interessen. Das Ergebnis dieser Abwägung wird in verschiedenen Kontexten unterschiedlich ausfallen.

      1. das hat jetzt aber gar nichts mit den Nutzungsbedingungen des Anbieters zu tun…
        Im Übrigen ist Datenschutz keine Abwägung von Interessen, sondern ein verbrieftes Persönlichkeitsrecht des Einzelnen. Dieses kann nicht ignoriert werden.

        1. In diesem Recht gibt es jede Menge Stellen, in denen die Abwägung von verschiedenen Interessen stattfindet, z.B. in DS-GVO Art. 6 (1) f).
          Und zu der Frage mit den Nutzungsbedingungen hatte ich bereits geantwortet.

  2. Ich sehe das gar nicht als Frage des Datenschutzes, sondern als Vertragsbestandteil zwischen der Schule und Zoom. Da haben Sie also keine weiteren Vereinbarungen?

    1. Ich nehme an, Sie meinen die Ziffer 4 in den AGB. Ich lese das nicht als Ausschluss von Minderjährigen generell, sondern für die Registrierung eines Accounts. Unsere Schüler/innen haben und brauchen keine Accounts.

      Die Interpretation, dass Minderjährige Zoom überhaupt nicht nutzen dürfen, passt auch nicht zu der Tatsache, dass Zoom gerade in vielen Ländern mit geschlossenen Schulen das 40 min Limit von Schulaccounts aufhebt und somit ja ausdrücklich davon ausgeht, dass Schüler/innen den Dienst nutzen.

  3. Hallo,

    Vielen Dank für den Artikel. Haben Sie als Schule mit Zoom einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag abgeschlossen?

    viele Grüße

  4. Hallo,
    welches Lizenzmodell hast Du abgeschlossen? Ich habe 4 Klassen a 30 Schüler, die ich bespaßen will. Über die Schulleitung bekomme ich das nicht hin, d.h. ich muss privat einsteigen.

    1. Zitat aus dem Artikel:

      die Angabe einer Zahlungsmöglichkeit, aber keinen Bezahltarif. Im kostenlosen Tarif gibt es offiziell eine Beschränkung auf 100 Teilnehmer/innen und vierzig Minuten pro Meeting. Letzteres kann man seit einigen Tagen als Schule per Antrag aufheben lassen, was bei uns aber noch nicht durch ist.

      Sprich: Der kostenlose Basistarif.

      1. O.K., danke. Damit ich 2 Klassen a 30 Schüler länger als 40 Minuten unterhalten kann, bevor meine Schulleitung irgendein Schreiben in Bewegung setzt, leiste ich mir mal die 15 € monatlich bei monatlicher Kündigungsmöglichkeit…

  5. Hallo Herr Kalt,

    vielen Dank erst Mal für Ihre Einführung in Zoom. Folgende Frage hätte ich:

    Sie sprechen von Meeting-Räumen als „Klassenräume“. Damit sind doch die Online-Sitzungen gemeint, zu denen man die Schüler einlädt, oder?

    Was hat es dann mit den „Zoom-Räumen“ auf sich, die man unter „Raumverwaltung“ findet? Wäre es nicht sinnvoller, solche Räume zu haben, die man Klassen oder Kursen fest zuordnen kann? Allerdings habe ich gesehen, dass diese zeitlich begrenzt sind.

    Beste Grüße

    Hans-Juergen Merkel

    1. Damit sind doch die Online-Sitzungen gemeint, zu denen man die Schüler einlädt, oder?

      Ja, das sind bei uns die persönlichen Meeting-Räume jeder Lehrkraft.

      Was hat es dann mit den „Zoom-Räumen“ auf sich, die man unter „Raumverwaltung“ findet? Wäre es nicht sinnvoller, solche Räume zu haben, die man Klassen oder Kursen fest zuordnen kann?

      Wenn ich das richtig verstehe, gehören diese Räume zu einem anderen Produkt der Firma Zoom: Zoom Rooms, das ist wohl etwas ganz anderes, nämlich ein Videokonferenz-System, das man fest in einem physischen Raum installiert, so dass Menschen per Videokonferenz zu einem real stattfindenden Meeting zugeschaltet werden können. Das ist also nicht das, was aktuell gerade passt.

      Allerdings habe ich gesehen, dass diese zeitlich begrenzt sind.

      Wie im Artikel geschrieben, kann man als Schule beantragen, das Limit kostenlos aufgehoben zu bekommen (Link dazu auch im Artikel).

  6. Obwohl ich schon an Zoom Meetings teilgenommen habe, scheint mir die Firma aus Sicht des Datenschutzes mehr als bedenklich zu sein

    und

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